ökoRAUSCH Festival für Design & Nachhaltigkeit vom 28.08.–24.09.2020 im MAKK
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Auf der Suche nach Bäumen

Werbeanzeigen und Bäume, das sind zwei relativ unterschiedliche Dinge, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben. Auf virtuelle Anzeigen klickt man oder man ignoriert sie, den einen kosten sie Geld, den anderen bringen sie welches. Beides funktioniert im Zweifel relativ schnell, ein Klick genügt.

Bäume auf der anderen Seite brauchen Zeit um zu wachsen. Sie betreiben Photosynthese, werden fast Hundert Meter hoch und Hunderte von Jahren alt. Sie sind die effizientesten CO2-Filter auf dem Planeten und werden dennoch in atemberaubender Geschwindigkeit abgeholzt und nicht annähernd ausreichend ersetzt. Sie können mit ihren Früchten ganze Familien ernähren, Landschaften verändern, mit ihren Wurzeln Wasser an die Erdoberfläche zurückholen, Schatten spenden, Arbeitsplätze schaffen und unzähligen Kreaturen einen Lebensraum bieten.

Die Suchmaschine, die Bäume pflanzt

Bei Ecosia hängen Werbung und Bäume ganz eng zusammen. Ecosia.org ist prinzipiell eine Suchmaschine wie jede andere auch. Neben den regulären Suchergebnissen, die vom Partner Bing bereitgestellt werden, spielt Ecosia auch Anzeigen aus. Mit jedem Klick auf eine dieser Anzeigen verdient Ecosia Geld. Und hier kommen die Bäume ins Spiel: Mindestens 80% des Gewinns aus Werbeeinnahmen werden monatlich in Aufforstungsprojekte investiert.

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Eden Reforestation Projects Madagascar
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Eden Reforestation Projects Madagascar
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Frauen sammeln Samen für nächste Aussaat – Foto: Beeldkas and OZG
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PUR Project Peru

6 Millionen finanzierte Bäume sind auf diesem Weg bereits zusammengekommen, gepflanzt zuerst in Brasilien, aktuell in Burkina Faso, Madagaskar und Peru. 6 Millionen Bäume sind eine ganze Menge. Wie macht man die alle für die Nutzer von Ecosia sichtbar ohne dabei der Nutzerfreundlichkeit im Weg zu stehen? Wie teilt man regelmäßig Neuigkeiten von den Pflanzprojekten ohne diejenigen Nutzer zu stören, die einfach nur suchen wollen? Gerade wer verspricht mit seinem Gewinn etwas sinnvolles zu tun, ist seinen Nutzern Transparenz schuldig. Wie bringt man also möglichst leicht auffindbar und dennoch visuell ansprechend relativ trockene Dinge wie Monatsberichte und Spendenbelege unter? Wie erinnert man Nutzer daran, dass jede Suche im Netz zur Pflanzung eines neuen Baumes beitragen kann?

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Wie verbindet man Suchanfragen mit echten Bäumen?

Diesen Fragen geht bei Ecosia vor allem das UX Design Team auf den Grund. Eines der Kernelemente, mit denen sich das Team auseinandersetzt, ist der Baumzähler. Er erinnert die Nutzer*innen daran, dass jede Suche zur Unterstützung der Pflanzprojekte beitragen kann. Die Metrik hinter dem Symbol ist relativ kompliziert, dennoch empfinden die Nutzer den Zähler als motivierend und möchten das verspielte Element nicht missen.

Mit Klick auf den Baumzähler öffnet sich ein kleiner News-Stream. Er gibt den Nutzer*innen die Möglichkeit mehr über den Fortschritt der Projekte in Madagaskar, Peru und Burkina Faso zu erfahren, informiert darüber wann neue Spendenbelege und Monatsberichte veröffentlicht werden und ob es Neuigkeiten aus dem Team gibt.

Gamification ist wichtig, Usability ist wichtiger

So motivierend der Baumzähler ist und so wichtig die Nutzer*innen es finden eine direkte Verbindung zu den reellen Bäumen zu sehen – Ecosia soll trotzdem ein nützliches, schlankes Suchwerkzeug sein und anderen Suchmaschinen in Sachen Usability in nichts nachstehen. Daher gibt es auf den Suchergebnisseiten selbst nur wenige Illustrationen oder Bilder und auch die Hinweise auf weiter Informationen, von denen es reichlich zu teilen gibt, müssen ästhetisch und sinnvoll untergebracht werden.

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Mehr Content als Platz ist

Hier kommen die Info-Seiten ins Spiel, wo Nutzer*innen eine generelle Übersicht über die Pflanzprojekte, Karten der Pflanzregionen, Fotos und kurze Bios der Team-Mitglieder, alle Spendenbelege und Monatsberichte und Hintergründe zur Gründungsgeschichte und Vision von Ecosia finden. All den verfügbaren Content unterzubringen ist nicht leicht. Ein Video aus Madagaskar im Hintergrund der Seite im Loop ablaufen zu lassen, ist eine gute Möglichkeit eine direkte Verbindung zu den gepflanzten Bäumen herzustellen, macht die Seite aber schwerer. Eine statische Aufnahme ist also vor allem auch im Hinblick auf die mobile Version der Seite die bessere Lösung. Spendenbelege sollen auf einen Klick verfügbar sein, sehen aber nicht besonders schön aus und nehmen viel Platz ein, daher ist ein illustriertes Icon, das auf eine Übersicht verlinkt, die bisherige Lösung.

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Die Karte soll den Nutzer*innen ermöglichen sich die Pflanzregionen mit allen zugehörigen Informationen genauer anzusehen. Ein Paradies für UX Designer, deren Herausforderung es ist alles Material formschön und sinnvoll für die Nutzer*innen aufzubereiten. Doch gerade auf Material aus abgelegeneren Regionen, in denen die Projektpartner vor Ort nicht immer auf eine zuverlässige Internetverbindung oder technische Mittel setzen können, muss man oft lange warten. Bis alle Informationen verfügbar sind heißt es also: Platzhalter entwerfen und dankbar für begabte Designer sein!

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Gutes Design macht generell die Verbindung zwischen den echten Bäumen und der Suchmaschine für Nutzer*innen von Ecosia greifbar. Bei so wichtigen Aspekten wie Transparenz, Vertrauen, Motivation und Vision sind das ganze Team, allen voran jedoch die Designer und Produktgestalter gefragt. Alle zusammen machen Ecosia zu einem schicken Tool, das seinen Nutzer*innen ermöglicht mit der täglichen Suche im Internet echte Bäume zu pflanzen!

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Autor*in

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Jacey Bingler

Jacey findet die Idee mit den Werbeeinnahmen einer Suchmaschine Bäume zu pflanzen einfach super. Daher ist die Halb-Engländerin auch sehr glücklich, dass es sie nach Stationen im Buchhandel, der Reiseführerindustrie, dem Musikbusiness und als Journalistin für das Stadtportal von Hamburg schließlich nach Berlin zur besten Suchmaschine der Welt verschlagen hat.

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