AWB Köln

Wie wird Müll wertvoll?

Die zweite Exkursion in unserer Reihe ECO DESIGN MEETS BUSINESS führte uns am 10. Oktober zu den Abfallwirtschaftsbetrieben Köln (AWB) und gab uns die Möglichkeit zu verstehen, was es heißt, eine Millionenstadt sauber und lebenswert zu erhalten.

In unseren leuchtenden Warnwesten führt uns Thomas Enzinger – Verantwortlicher für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – zunächst über das Betriebsgelände. Mit jedem Schritt durch die mit Spezialfahrzeugen gefüllten Hallen verstehen wir etwas mehr, welche Prozesse und wieviel Aufwand dahinterstecken, unsere Stadt sauber zu halten. Es geht weiter zu dem Teil des Geländes, in dem der allgemeine Haushaltsmüll landet. Wir sind schockiert und fasziniert zugleich: Ganze 40 Ladungen mit je 10 Tonnen Restmüll gehen hier am Tag ein. Etwa die gleiche Menge fällt nochmal rechtsrheinisch an. Jedes Fahrzeug kippt seine Ladung in den dafür vorgesehenen Schacht in der Entladungshalle. Dort wird alles in einen Container gepresst, bevor dieser mit einem Kran auf  einen Zug verladen wird. Der Abfall wird in Köln über die Schiene zur Müllverbrennungsanlage gebracht, was deutschlandweit einmalig ist und die Straßen der Stadt entlastet.

Während wir diesen Prozess beobachten, entsteht eine Diskussion über Abfall und dessen Vermeidung, in der auch unsere Vorurteile beziehungsweise Fehlannahmen deutlich werden. Denn die AWB ist „nur“ Dienstleister – sie kann die Entscheidungen der Stadt und der Bürger*innen nur bedingt beeinflussen. Sie kann aber auf sich verändernde Umstände reagieren, wenn entsprechende Gesetze in Kraft treten. Hier sind also alle Kölner*innen gefragt – mit ihrer alltäglichen Verantwortung, den Müll (richtig) zu trennen, aber auch die politischen Vertreter*innen unter nachhaltigen Gesichtspunkten zu wählen.

Trotzdem kann die AWB natürlich auch eigene Maßnahmen ergreifen, um nachhaltiger zu  handeln: So wurden zum Beispiel E-Lastenräder angeschafft, um als leichte Transporter in den Grünanlagen eigesetzt zu werden. Die AWB beteiligt sich an Forschungsprojekten zu alternativen Antrieben bei Nutzfahrzeugen insbesondere bei der Abfallbeseitigung. Auch die Streckenplanung der Müllfahrzeuge ist auf Effizienz und die Einhaltung möglichst kurzer Transportwege ausgelegt.

Zurück im Hauptgebäude diskutieren und brainstormen wir weiter: Wie könnten Bürger*innen besser darüber aufgeklärt werden, was in welche Tonne kommt, was die Müllsortierung bringt und wie könnte die Anschlussrate an die Biotonne erhöht werden – aktuell ein zentrales Projekt der AWB. Wenn im November die neue Vergärungsanlage ans Netz geht, muss diese nämlich täglich „gefüttert“ werden – mit organischen Abfällen aus den Küchen und Gärten der Kölner Haushalte. Leider landet bisher immer noch viel zu viel dieser wertvollen Ressource im Restmüll. Die Mitarbeiter*innen der AWB haben bereits Kampagnen und Aktionen gestartet und Infomaterial dazu erstellt. Doch obwohl man einerseits „offene Türen eintrete“ – jeder findet Nachhaltigkeit ja schließlich toll – würde gleichzeitig das Wissen oft nicht umgesetzt. Ein klassischer „Mind-Behaviour Gap“, wie man in der Umweltpsychologie sagt. Unser Matchmaking ist nun in vollem Gange: die Kreativen spinnen neue Ideen, die Mitarbeiter*innen der AWB erklären, welche Hürden und Hindernisse es gibt, was an Vorgaben beachtet werden muss und was bisher funktioniert hat beziehungsweise was nicht. Am Ende unserer Exkursion kommt die Idee eines Anschluss-Formats auf: Man könnte eine „Taskforce“ bilden aus Designer*innen, AWB Mitarbeiter*innen und Vertreter*innen weiterer Disziplinen, wie der Umweltpsychologie und in einem Ideen-Workshop innovative Lösungen erarbeiten. Ein großartiger Abschluss unserer zweiten Exkursion!

Auch heute wurde wieder bestätigt: Nachhaltigkeit ist keine einfache Angelegenheit, aber unsere Exkursion hat neue Türen geöffnet, Ideen angestoßen und uns um einige Eindrücke, Erkenntnisse und Begegnungen reicher gemacht. Wir sind gespannt, was daraus wird und bedanken uns bei der AWB und allen Teilnehmer*innen für den fruchtbaren Austausch!

Ein großes Dankeschön geht auch an unsere Fotografin Bozica Babic!

Autor*in

Kim Huber

Kim ist konzeptionelle Kommunikationsdesignerin. Sie studierte „Nachhaltiges Design“ an der ecosign Akademie für Gestaltung und arbeitete am Wuppertal Institut an der Übersetzung von wissenschaftlichen Inhalten in visuelle Kommunikation.

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