Bewegend

Transformationsdesign und die Kunst des Wandels

Wenn wir Denkmustern und Gewohnheiten mit kreativen Mitteln einen öko-sozialen Schwung verleihen, werden nachhaltige Zukünfte greifbar. Wie motivieren wir zum Wandel? Mit welchen Instrumenten lassen sich gesellschaftliche Visionen in die Tat umsetzen?

Bürgerbegehren fürs Klima

Was ist ein Bürgerbegehren?
Ein Bürgerbegehren ist ein Mittel der direkten Demokratie. Mit ihm können Bürger*innen verbindliche Entscheide in der Kommunalpolitik erwirken, die umgesetzt werden müssen. Immer mehr Menschen nutzen dieses Instrument, um die Klimawende vor Ort in den Kommunen in die Hand zu nehmen.

Klimawende Köln
Die Klimawende Köln hat sich die städtische Energieversorgerin vorgenommen. Da sie zu 80 % der Stadt Köln und somit den Bürger* innen gehört, können Kölner*innen über das Bürgerbegehren direkt das Handeln des Unternehmens beeinflussen. Mit dem Bürgerbegehren wird gefordert, dass die RheinEnergie bis 2030 ihren Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien liefert.

Weitere Informationen findet ihr in der ökoRAUSCH Mediathek in folgendem Video: Thementag »Zeichen setzen – mit Stift und Demokratie für ein gutes Klima (in Köln)«

Freeday 4 Future: Weniger Arbeit = mehr Klimaschutz

Um CO2 zu reduzieren, müssen wir unseren Konsum reduzieren. Doch wie kann ein Weniger zu mehr Lebensqualität führen? Durch einen Zugewinn an Zeit! Arbeitszeitverkürzungen können eine Schlüsselrolle beim Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise spielen und haben viele ökologische, soziale und ökonomische Vorteile! Eine Studie von Nässén und Larsson (2015) ergab, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit um 1 % eine Reduzierung von Emissionen um 0,8 % bewirken könnte. Eine 4-Tage-Woche könnte Treibhausgasemissionen also um 20 % reduzieren – unter anderem durch die Verminderung des Pendelverkehrs und des Konsums.

Mehr Gesundheit
Eine kürzere Arbeitswoche trägt zu weniger Stress, mehr Zufriedenheit und damit zu psychischer und physischer Gesundheit bei. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz bestätigt verringerte Stresswerte, niedrigeren Blutdruck und weniger Krankheitstage – denn das Risiko für Rückenschmerzen, Herzinfarkt und Schlafstörungen wächst, je länger man arbeitet. Längere Arbeitszeiten führen zudem zu mehr Unkonzentriertheit und mehr Unfällen.

Mehr Gerechtigkeit
Kürzere Arbeitszeiten ermöglichen eine gerechtere Verteilung der Arbeit bei steigender Automatisierung. Sie reduzieren nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch Ungleichheiten z. B. im Einkommen.

Mehr Emanzipation
Kürzere Arbeitszeiten lassen eine gerechtere Verteilung von unbezahlter häuslicher Erziehungs- und Pflegearbeit zwischen zwei Partner*innen zu, da sie die gleichzeitige Ausübung einer Vollzeit-Tätigkeit erleichtern. Da „Care“-Arbeiten heute noch oft von Frauen übernommen werden, würden sie stark davon profitieren.

Mehr Produktivität
Menschen arbeiten in kürzerer Arbeitszeit produktiver. Forschungen haben ergeben, dass die Konzentration in kreativen Berufen pro Tag nur ca. sechs Stunden beträgt.

Weitere spannende Diskussionsanregungen findet ihr in der ökoRAUSCH Mediathek in folgendem Video: „Thementag Weniger ist mehr – Nachhaltig arbeiten“

Geld für alle

Armut und der Weg heraus
Menschen, die von Armut betroffen sind, fällt es oft schwer, sich aus der Armutssituation zu befreien, da sie zu viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen. Wer sich täglich neu um Nahrung, Wasser, Wohnraum und Gesundheit kümmern muss, kann nicht gleichzeitig Wege aus der Armut planen. So die neuesten Erkenntnisse der Armutsforschung. Gut gemeinte Programme wie Berufsberatungen oder Fortbildungen helfen da wenig.

Direktzahlungen
Direktzahlungen sind ein Mittel der Armutsbekämpfung: Menschen bekommen ohne weitere Bedingungen bestimmte Geldsummen direkt ausgezahlt. Sie helfen, den Kopf wieder frei zu kriegen, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können, die den Weg aus der Armut und in eine Existenzsicherung weisen. Erfahrungen zeigen, dass durch Direktzahlungen mit weniger Geld mehr positive Effekte erzielt werden, als mit vielen anderen teureren Armutsbekämpfungsprogrammen.

Grundeinkommen
Das Grundeinkommen geht noch einen Schritt weiter: Jede*r Bürger*in eines Staates erhält monatlich bedingungslos eine feste Summe Geld, die zum Leben und zur Bereitstellung der Grundbedürfnisse reicht. Das Grundeinkommen wird unabhängig vom Einkommen gezahlt. Sämtliche Experimente und Studien belegen positive Effekte: Menschen werden dadurch nicht faul, sondern reduzieren die Arbeitszeit im Schnitt gar nicht oder nur wenig, und nutzen frei gewordene Zeit und Finanzen sinnvoll, investieren in Bildung und bleiben gesünder. Aber Achtung: Das Grundeinkommen führt nicht automatisch zu sozialer Gerechtigkeit.

Theater als Utopieforschung
In dem Theaterstück „Erschöpfte Demokratie“ erprobt das Theater Wehr 51 verschiedene Utopien. Trotz aller Krisen, wie Umwelt, Klima, Flüchtlinge, Arbeit und Schulden, die der Apokalypse zuzustreben scheinen, gibt es schon heute neue Lebensmodelle. In einem Forschungslabor werden verschiedene Utopien untersucht und zur Diskussion gestellt. Du bist eingeladen, dich mit dem Theater in einen Feldversuch und auf eine Reise in visionäre alternative Lebensentwürfe zu begeben. Einer davon ist Europien. Stelle dir vor, du lebst in einer Gesellschaft mit dem bedingungslosen Grundeinkommen für alle!

Konstruktiver Journalismus

Lösungsorientiert Berichten
Die tägliche Konzentration negativer Berichterstattung kann auf Individuen und Gesellschaft lähmend wirken.
Texte, in denen hingegen Lösungen vorgestellt werden, können die Leser*innen zu neuer Handlungsbereitschaft ermutigen. Konstruktiver Journalismus beruht auf der Berichterstattung lösungs- und zukunftsorientierter Nachrichten. Er versucht, ähnlich konstruktiver Kritik, Probleme zu beheben, indem Vorschläge für Alternativen gemacht werden.

Kritisch und ehrlich Informieren
Dabei berichtet er nicht nur positiv, sondern ebenso kritisch und investigativ, um Informationen von hoher gesellschaftlicher Relevanz zu verbreiten. Er forscht nach den Zusammenhängen und Hintergründen von Problemen und diskutiert zugleich die möglichen Lösungen. Er berichtet ehrlich, dass nicht immer fertige Lösungen existieren, sondern manchmal nur Teillösungen und Ansätze, und beruft sich auf wissenschaftliche Studien und empirische Berichte.

Perspective Daily
Perspective Daily ist Deutschlands erstes Online-Magazin für Konstruktiven Journalismus, das 2016 von Maren Urner und Han Langeslag im Zuge einer Crowdfunding-Kampagne gegründet wurde. Pro Woche erscheinen fünf Artikel, die neben den Fakten auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Max Roser
Max Roser ist überzeugt, dass die Geschichte der Menschen – nicht immer, aber oft – eine Geschichte der Fortschritte ist. Der Ökonom und Statistiker forscht zu globalen Themen wie Armut, Gesundheit, Hunger, Klimawandel, Krieg, existenziellen Risiken und Ungleichheit. Mit www.ourworldindata.org stellt er historische, langfristige Entwicklungen der Lebensverhältnisse der Menschheit dar.

Rutger Bregmann
Der Autor Rutger Bregmann macht mit seinem Buch „Utopien für Realisten“ Furore. Er fordert offene Grenzen, eine 15-Stunden-Woche und das bedingungslose Grundeinkommen und belegt die Machbarkeit seiner Zukunftsentwürfe.

Das Thema „Bewegend“ wurde in der ökoRAUSCH Wissenswelt auf dem ökoRAUSCH Festival für Design und Nachhaltigkeit (28.8.-24.9.2020) im MAKK (Museum für Angewandte Kunst Köln) ausgestellt. Die ökoRAUSCH Wissenswelt steht nun als Wanderausstellung zum Verleih NRW-weit zur Verfügung. Weitere Informationen findet ihr auf stadt-land-welt.org oder schreibt an stadt.land.welt@posteo.de !

Fotos: Bozica Babic und Astrid Piethan

Quellen und Links:
* www.perspective-daily.de
* www.ourworldindata.org
* Utopien für Realisten, Rutger Bregman, 2014
* www.sdg-tracker.org
* www.klimawende.koeln
* www.klimawende.org
* www.buerger-begehren-klimaschutz.de
* www.4tagewoche.de
* www.arbeitszeitverkuerzung-jetzt.de/home/neuigkeiten/artikel/freeday-for-future-kuerzer-arbeiten-und-das-klima-schuetzen.html
* www.emancipatory.technology
* www.wehr51.com/erschoepfte-demokratie.html

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Unser Co-Veranstalter des Festivals, Stadt Land Welt e.V. ist maßgeblich für die inhaltliche und vor allem methodisch aufbereitete Vermittlung der Themen des Festivals an ein breites Publikum verantwortlich. Die von ihm gestaltete „ökoRAUSCH Wissenswelt“ wird gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

Autor*in

Tatjana Krischik

Tatjana Krischik

Tatjana Krischik bringt als freiberufliche Designerin in ihren Arbeiten Design, Nachhaltigkeit und Bildung zusammen. Im Bereich des Globalen Lernens verbindet sie Design mit Bildungsprojekten, z.B. in der Konzeptionierung und Durchführung der CYC LOOP Upcycling- und Fair Trade Design- Workshops für Jugendliche und Lehrkräfte, die Upcycling und Fair Trade Design mit Globalem Lernen verbinden.

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