Carmen Zirngibl

Facts

Designerin: Carmen Zirngibl
Label: MCL I coffee dregs
Bereich: Upcycling Design
gegründet: 2015
Ort: Düsseldorf, Deutschland
Website: mycookerylog.wordpress.com

Kurzvorstellung

Die My Cookery Log® I coffee dregs Editionen stehen für Designprodukte aus dem, was durch das Aufbrühen von Kaffee an Abfall entsteht – dem Kaffeesatz.

Die Wohnaccessoires wie Schalen und Lampen aus Kaffeesatz – die MCL® I coffee dregs – spiegeln ein formal archaisch-organisches Design wider. Die natürlichen Braunnuancen, die durch den Kaffeesatz entstehen, gemixt mit edlen Kupfer- und Goldauflagen, lassen die Objekte in puristischer Weise wirken. Jedes Objekt ist ein Unikat, nicht nur weil das Ausgangsprodukt ein Naturprodukt ist, das sich stets in leicht unterschiedlicher Farbausprägung präsentiert, sondern auch weil jedes Objekt handgemacht ist und sich dadurch jede Form neu erfindet.

Upcycling – die Weiterentwicklung von Recycling

Recycling, das Wiederverwerten von Abfallprodukten bzw. das Herstellen von (zumeist minderwertigeren) Produkten daraus, stand gegen Ende des letzten Jahrhunderts für Nachhaltigkeit. Upcycling, die Schaffung neuer umweltfreundlicher, ästhetischer Gebrauchsgegenstände aus Abfallprodukten und damit die Schaffung von Werten bei gleichzeitiger Müllvermeidung und dem achtsamen Umgang mit Ressourcen ist im 21. Jahrhundert die logische Weiterentwicklung des Konzepts des Recyclings.

Dass man gebrauchtes Plastik, Kleidung oder Papier zu neuen Produkten veredeln kann, ist hinlänglich ausprobiert. Wie sieht das aber mit Abfall aus, der beim täglichen Kochen und Essen entsteht? Kann man auch solche, organischen Küchenabfälle nicht nur kompostieren, also recyceln, sondern möglicherweise auch upcyceln, also aufwerten und Alltagsdesign daraus machen?

Diese Frage ließ mich nicht mehr los und mündete im Frühjahr 2015 in ein konkretes Projekt mit dem Ziel, aus Kaffeesatz nachhaltige und formschöne Werkstücke herzustellen.

Konzept des Upcycling von organischem Material

Organischer Abfall, der beim Kochen und Essen entsteht, kann – auf den ersten Blick betrachtet – bestenfalls kompostiert und als Dünger verwendet werden. Dies ist ja auch die ‚Bestimmung‘ von organischem Material, nämlich, dass es vergeht und so wieder als Ressource für neues Wachstum zur Verfügung steht.

Täglich werden Massen an Kaffeesatz ‚produziert‘. Der Rohstoff dafür – die Kaffeebohne – wird unter Verbrauch von riesigen und wertvollen Ressourcen wie Wasser und Energie produziert und transportiert. Das Aufbrühen und Genießen des Kaffees ist eine Sache von Minuten. Im Kaffeesatz stecken dann noch reichlich wertvolle Inhaltsstoffe, die zur Düngung bestens geeignet sind, und dennoch: die ‚Lebensdauer‘ von Kaffee steht in keiner Relation zum Aufwand der Herstellung.

Kann man vielleicht eine funktionale ‚Zwischenstufe‘ vor dem Kompostieren für den Kaffeesatz einfügen, die neben der Aufwertung des Materials auch einem nachhaltigen und ästhetischen Anspruch genügt? Diese Überlegungen waren maßgeblich bei der Entscheidung, Kaffeesatz als Material zu nehmen, um daraus nachhaltiges Alltagsdesign zu entwerfen.

Von Anfang an war klar, dass der Kaffeesatz mit natürlichen Bindemitteln, idealerweise ebenfalls Abfallstoffen, zunächst formbar gemacht wird und anschließend mit möglichst geringem Energieaufwand verfestigt wird. Dabei sollte die Option der Kompostierbarkeit gewahrt bleiben.

MCL® l coffee dregs – Schalen und Lampen aus Kaffeesatz

Die Herausforderung bei der Umsetzung des Projekts  MCL l coffee dregs bestand zum einen darin, eine Rezeptur zur Bindung des Kaffeesatzes zu entwickeln und nachfolgend einen Prozess zur Stabilisierung und Härtung zu etablieren. Dies immer im Kontext, dass daraus Design-Objekte für den Alltag entstehen sollen.

Für mich als Biologin war das eine ganz spannende Phase des Projekts, weil sich meine Kreativität auf höchst interessante Weise mit meinem naturwissenschaftlichen Background assoziieren ließ.

Mit der MCL l coffee dregs edition N°1 habe ich im Sommer 2015 die erste Kollektion, bestehend aus verschiedensten dekorativen Schalen vorgestellt. Seit der Einführung wurde der Herstellungsprozess kontinuierlich optimiert, darüber hinaus realisierte ich einige weitere Ideen für Objekte aus Kaffeesatz.

Mit der MCL l coffee dregs edition N°2 – Lichtblicke aus Kaffeesatz wurden in diesem Sommer erstmals Lampen aus Kaffeesatz präsentiert. Die ‚Wende-Lampen‘ – der hochwertige Messingsockel kann von beiden Seiten in die Lampe geschraubt werden – verstehen sich als logische Fortsetzung des Projekts, aus organischem Material nachhaltiges Design zu entwerfen.

Sämtliche MCL l coffee dregs Objekte sind handgemachte Unikate, denn der Ausgansstoff Kaffeesatz ist ein Naturprodukt, das sich immer einzigartig verhält und unterschiedliche Farbnuancen und Oberflächenstrukturen ausbildet. Was jedoch stets bleibt, ist, dass ganz im Sinne von verantwortlichem Umgang mit Ressourcen die Werkstücke am Ende ihrer Lebensphase kompostierbar sind und somit noch einmal einer weiteren Funktion, nämlich der des Düngers zugeführt werden. Daraus kann dann wieder etwas Neues erwachsen und der Kreis schließt sich erneut – ganz im Sinne der nachhaltigen Weiterentwicklung von Recycling im 21. Jahrhundert.

alle Fotos: Carmen Zirngibl

Ministerium NRW

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Autor*in

Carmen Zirngibl

Carmen Zirngibl ist Naturwissenschaftlerin und beschäftigt sich mit den Möglichkeiten aus organischem Material, das beim Kochen und Essen anfällt, nachhaltige und ästhetische Designstücke zu fertigen. Ihr erstes Projekt - Upcycling von Kaffeesatz – hat sie mit der MCL I coffee dregs edition umgesetzt.

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