Zement – der Klimakiller

CO2-Emissionen der Baubranche

Zement, ein großer CO2-Emittent
Zement wird für die Herstellung von Beton im Bauwesen verwendet. Die Zement-Herstellung verursacht hohe CO2- Emissionen und schädigt so das Klima: Sie ist für 8 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. An den CO2-Emissionen der deutschen Industrie hat sie einen Anteil von 11 % – nur die Eisen- und Stahlindustrie verursacht mehr.

Herstellungsprozess
Im Hochofen wird das Ausgangsmaterial Kalkstein bei sehr hohen Temperaturen (1.450 °C) zu (Zement-)Klinker gebrannt. Dies führt zu einem hohen Brennstoffverbrauch und damit zu hohen energiebedingten Emissionen. Zusätzlich entstehen 50 % der Emissionen durch den chemischen Prozess; der Brennvorgang setzt im Kalkstein enthaltenes CO2 frei.

Instand halten statt neubauen
Der Gebäudesektor ist für einen hohen Anteil der CO2-Emissionen Deutschlands verantwortlich. Im Durchschnitt entsteht etwa die Hälfte davon bei der Herstellung der Baumaterialien und des Gebäudes. Bei älteren Gebäuden fällt die Nutzung, insbesondere das Heizen, stärker ins Gewicht, bei neueren der Bau.
Der wichtigste Lösungsansatz lautet: Instandsetzung statt Neubau. Jeder Neubau, auch der eines Passivhauses, setzt so viele Emissionen frei, dass eine Sanierung alter Gebäude immer die umweltfreundlichere Lösung ist.

Bauschutt Recyceln
Das Designkollektiv URBAN TERRAZZO sieht Bauruinen als Materialquelle; Bauschutt wird zu Terrazzo-Fließen verarbeitet und findet so eine neue Verwendung.

Baut weniger!

Deutschland baut zu viel
Rein rechnerisch wurden in Deutschland 2018 mehr als doppelt so viele Wohnungen wie nötig gebaut. Für einen Bevölkerungszuwachs von 227.000 Einwohner*innen, die im Schnitt 113.500 Wohnungen bräuchten, wurden 285.900 neue Wohnungen gebaut – 172.400 zu viel. Wenn man die Wohnungsabrisse abzieht, bleiben mindestens 100.000 Wohnungen zu viel.

Schrumpfen schützt nicht vor Neubau
Auch wo Städte schrumpfen, wird weitergebaut: die 350.000-Einwohner*innen-Stadt Wuppertal hat seit den 1960er Jahren 70.000 Einwohner*innen verloren. 13.000 Wohnungen stehen leer. Trotzdem sieht der Flächennutzungsplan 33 Neubaugebiete auf einer halben Million Quadratmetern vor. 1.200 neue Ein- und Zweifamilienhäuser sind in sechs Jahren entstanden. Obwohl 100.000 qm Bürofläche leer stehen, wurde diese in zwei Jahren um 33.000 qm Neubau erweitert.

Wohnflächen – Hohe Flächennutzung
Der Wohnungsbestand in Deutschland stieg von 2011 bis 2018 um 3,9 %, während die Bevölkerung im gleichen Zeitraum nur um rund 3,4 % wuchs. Auch dort, wo die Bevölkerung schrumpft, stehen mehr und mehr Wohnungen zur Verfügung. Zugleich ist die durschschnittliche Wohnfläche pro Kopf massiv gestiegen, ebenso die durchschnittliche Größe einer Wohnung. Immer noch werden mehr und mehr Eigenheime und große Wohnungen gebaut, obwohl die Haushalte im Mittel immer kleiner und vor allem Einpersonenhaushalte immer häufiger werden. 2018 teilten sich im Schnitt nur noch zwei Menschen eine Wohnung, der Anteil der Einpersonenhaushalte lag bei 40,4 %.

Folgen für die Umwelt
Jeder zusätzlich bewohnte Quadratmeter Fläche in Gebäuden führt zu höherem Energie- und Ressourcenverbrauch und mehr Schadstoffemissionen: Die Fläche wird beleuchtet, beheizt, mit Bodenbelag versehen und möbliert, muss gereinigt und instand gehalten werden. Haushalte und ihre Mitglieder belegen nicht nur Wohnfläche. Allen gehört anteilig auch das Grundstück. Hinzu kommt die Fläche für Erschließungsstraßen, andere Infrastrukturen wie Abwasserbeseitigungsanlagen oder dem Wohnkomplex zugehörige Spiel-, Sport- und Grünflächen. Jede Nutzung von Bodenflächen durch den Menschen hat Auswirkungen auf die Umwelt. Durch Überbauung und Versiegelung werden natürliche Bodenstrukturen und -funktionen zerstört. Ziel muss es sein, knappe Fläche nachhaltig und umweltschonend, ökonomisch effizient und sozial gerecht mit Rücksicht auf künftige Generationen zu nutzen.

Es gibt genug Wohnraum
Die Baulobby baut weiter und weiter, massiv gefördert durch öffentliche Gelder. Doch Wohnraum fehlt nicht, er hält sich versteckt; durch Spekulation und Zweckentfremdung, durch eine ungleiche regionale Verteilung mit Boomstädten hier und schrumpfenden Orten dort, und durch unsichtbaren Wohnraum – leer stehende Zimmer. Der Buchautor und Bauverbots-Blogger Daniel Fuhrhop fordert daher: Verbietet das Bauen!

Klein und flexibel Wohnen

30 Quadratmeter Wohnfläche
Der Trend zu Haushalten mit weniger Personen führt dazu, dass die Bevölkerung insgesamt mehr Wohnfläche beansprucht. Haushalte mit drei oder mehr Personen beanspruchen nur eine durchschnittliche Fläche von 30,6 qm statt 46,7 qm pro Kopf. Ein Grund dafür ist die gemeinsame Nutzung von Küche, Bad und Flur. Aber auch Einpersonenhaushalte können auf 30 qm leben, und Mehrpersonenhaushalte können mit noch weniger Fläche auskommen.

Mobil und kompakt wohnen
Die Kölner Tiny House Manufaktur baut richtige Häuschen auf Anhängern. So kommt man bei Bedarf mit dem eigenen Zuhause von A nach B – wie mit einem Wohnwagen, nur eben mit exakt zugeschnittener Einrichtung, für ein Wohn- und Lebensgefühl ohne Mangel an Komfort auf minimalstem Raum. Tiny Houses sind vielfältig einsetzbar: als Wohnsitz, Büro, Gäste- oder Ferienhaus. Die Tiny-House-Bewegung („Bewegung für winzige Häuser“) stammt aus den USA und drückt sich in der Architektur von Klein- und Minihäusern aus. Als Gegenbewegung zu „bigger is better“ propagiert sie das sich Gesundschrumpfen. Die ursprüngliche Motivation steckt in einer Reduzierung der eigenen Wohn- und Lebenshaltungskosten. Zunehmends tritt die Ermöglichung eines naturnahen und zugleich flexiblen Lebensstils in den Vordergrund.

Die CO2-Emissionen der Bauchbranche wurden in der ökoRAUSCH Wissenswelt auf dem ökoRAUSCH Festival für Design und Nachhaltigkeit (28.8.-24.9.2020) im MAKK (Museum für Angewandte Kunst Köln thematisiert. Die ökoRAUSCH Wissenswelt steht nun als Wanderausstellung zum Verleih NRW-weit zur Verfügung. Weitere Informationen findet ihr auf stadt-land-welt.org oder schreibt an stadt.land.welt@posteo.de !

Fotos ökoRAUSCH Wissensausstellung: Bozica Babic und Astrid Piethan

Fotos Tiny Houses: Tiny House Manufaktur Köln

Quellen und Links:
* Klimaschutz in der Beton- und Zementindustrie, WWF Deutschland, Berlin, 2019
* BAUWENDE-Factsheet-Graue-Energie-2020_1
* www.architects4future.de
* verbietet-das-bauen.de
* www.wohnen-optimieren.de
* umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche#wohnflache-pro-kopf-gestiegen
* www.tiny-house-manufaktur.de
* blog.wwf.de/wohnflaeche-klima
* www.umweltbundesamt.de/publikationen/flaechensparend-wohnen
* Wohnfläche des Wohnungsbestands dividiert durch die Wohnbevölkerung in Privathaushalten (in qm), Statistisches Bundesamt

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Unser Co-Veranstalter des Festivals, Stadt Land Welt e.V. ist maßgeblich für die inhaltliche und vor allem methodisch aufbereitete Vermittlung der Themen des Festivals an ein breites Publikum verantwortlich. Die von ihm gestaltete „ökoRAUSCH Wissenswelt“ wird gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

Autor*in

Tatjana Krischik

Tatjana Krischik

Tatjana Krischik bringt als freiberufliche Designerin in ihren Arbeiten Design, Nachhaltigkeit und Bildung zusammen. Im Bereich des Globalen Lernens verbindet sie Design mit Bildungsprojekten, z.B. in der Konzeptionierung und Durchführung der CYC LOOP Upcycling- und Fair Trade Design- Workshops für Jugendliche und Lehrkräfte, die Upcycling und Fair Trade Design mit Globalem Lernen verbinden.

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