esthétique

Der Besuch beim inklusiven Slow Fashion-Label esthétique am 1. Oktober 2019 gab den erfolgreichen Startschuss zu unserer Exkursionsreihe ECO DESIGN MEETS BUSINESS. Und wir hätten es für unsere Premiere nicht besser treffen können: esthétique vereint so viele Aspekte, die für nachhaltig arbeitende Designer*innen – nicht nur aus dem Modebusiness – von großer Wichtigkeit sind!

Beim Betreten des Ars Vivendi Conceptstore, der neben anderer Produkte der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung auch ihr Label esthétique beheimatet, versteht man sofort, wieso Inklusion und Design hier zusammengehören. Das gediegene Interiordesign, reduziert in schwarz/weiß mit wohlgesetzten Farbtupfern lädt zum Shoppen sinnvoller Produkte ein oder zum Verweilen im integrierten Café.

Jutta Lüttke Vestert, Leiterin Innovationsmanagement und Kommunikation gab den Teilnehmer*innen einen fantastischen Einblick in die beeindruckende Geschichte dieses ungewöhnlichen Modelabels: Ob Markenstrategie, ökologische und faire Arbeitsbedingungen nach GOTS-Standard oder Fragen zum Vertrieb – ihre Ausführungen sprühten vor Tatkraft, dieses in jeder Beziehung besondere Projekt einer gemeinnützigen Werkstatt weiter nach vorne zu bringen, und zwar im Einklang mit den Möglichkeiten ihrer Mitarbeiter*innen. Sicherlich ist zu berücksichtigen, dass hier die Produktion gewissermaßen subventioniert wird. Doch tauchen wir relativ schnell in die Diskussion ein, wie diese „Laborbedingungen“ letztendlich Denkanstöße liefern oder gar Vorbild für den „normalen Arbeitsmarkt“ sein kann. Und so gab die Präsentation von esthétique auch einen gelungenen Einblick in eine Arbeitswelt, die beispielsweise als Blaupause für eine Postwachstumsökonomie gelten könnte: Wenn sich die Arbeitszeit verringert, sich das Tempo an den Bedürfnissen der Mitarbeiter*innen orientiert, und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – ein nachhaltig erfolgreiches Projekt entsteht, das auf dem Markt bestehen kann. Der kommerzielle Erfolg von esthétique zeigt, dass der Markt inzwischen bereit ist für sozial und umweltfreundlich hergestellte Mode und die Akzeptanz gerade auch für Mode aus sozialen Werkstätten wächst, erst recht, wenn die Optik stimmt. Die Mitarbeiter*innen sind zu recht stolz auf ihr Label und das, was zusammen mit ihnen aufgebaut wurde!

Die Exkursion gab ebenfalls Aufschluss darüber, wie Kreativwirtschaft und Sozialwirtschaft zusammenarbeiten können und neue Arbeitsplätze geschaffen werden: Die Jungdesignerin Anna Termöhlen arbeitet exklusiv für esthétique und liefert mit ihrem Know-How die Grundlage für den gestalterischen Erfolg des Labels. Ihre Herausforderung besteht darin, eine Balance zu schaffen aus modischem Anspruch und cleveren Schnitten, die auch Menschen mit Einschränkungen umsetzen können. Diese Anpassung an für die Modebranche eher untypische Verhältnisse beweist die hohe Flexibilität von nachhaltig arbeitenden Designer*innen.

Mit dieser Exkursion haben wir das erste Designlabel präsentiert, das bereits konkrete eigene Nachhaltigkeitsziele verfolgt und viele Aspekte nachhaltigen Wirtschaftens und Produzierens implementiert hat. Wir bedanken uns bei esthétique für den Blick hinter die Kulissen, die vielen Denkanstöße und motivierenden Nachhaltigkeitstipps für Gründer*innen im Modebereich.

Vielen Dank an unsere Fotografin Bozica Babic!

Autor*in

Dunja Karabaic

Dunja Karabaic

Dunja ist Gründerin von ökoRAUSCH und leitet seit 2008 alle Aktivitäten des Projekts. Sie freut sich darüber, dass ökoRAUSCH gerade auch als Festival seit 2012 mehr und mehr Publikum anzieht und deutschlandweit zur Marke geworden ist. Mit dem Neustart 2016 warten spannende Herausforderungen, wie die Internationalisierung des Festivals und die Etablierung des Blogs auf das Team! Foto: VeithKlub Fotografie

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