Gerecht Gestalten

Empowerment leben und einfordern

Gleiche Rechte, gleiche Chancen! Mit Kreativität und Verstand Stereotypen und Vorurteilen begegnen: Kultur und Engagement ermächtigen dazu, selbstverantwortlich und selbstbestimmt die Stimme zu erheben, den öffentlichen Raum zu betreten, und seine Rechte und Sichtbarkeit einzufordern.

Mülheimer Heimatministerium

MülHeiMin – Heimat für alle
Das Programm MülHeiMin (Mülheimer Heimatministerium) des Kölner Kulturzentrums Kulturbunker ist eine Antwort auf die Gründung von Heimatministerien auf Bundes- und Landesebene.
150.000 Menschen, davon die Hälfte mit Einwanderungsgeschichte, leben im Kölner Stadtteil Mülheim. Viele erleben Ausgrenzung durch die gegenwärtige Heimatdiskussion. Das MülHeiMin ermöglicht Begegnung und kulturelle Aneignung. Ziel des Programms ist, die vielen kulturellen Identitäten zu einer vielfältigen Community zu vernetzen und die Gestaltung des eigenen Veedels zu unterstützen. Für die, die da sind. Für die, die noch kommen.

Programm
MülHeiMin ist seit 2019 für drei Jahre Anlaufpunkt und Impulsgeber im Viertel rund um das Thema Heimat. Veranstaltungen sind unter anderem ein PopUp Migrationsmuseum über Einwanderungsgeschichten der Mülheimer*innen, ein Konzert von „Songs of Gastarbeiter“ und eine Karnevalsparty mit Kölscher Karnevalsmusik und arabischem Pop.

muelheimat.cologne
Mit dem migration-audio-archiv wurde ein Audioguide entwickelt. Über ein Jahr lang wurde der Stadtteil erkundet und mit den unterschiedlichsten Mülheimer*innen gesprochen. Die App lädt zu einem geführten Spaziergang durch Mülheim ein, der von seinen Bewohner*Innen erzählt wird.

Songs of Gastarbeiter

Musikgeschichte
Der Berliner Autor Imran Ayata und der Münchner Künstler Bülent Kullukcu, kurz AYKU, wühlten in Archiven, durchforsteten die Musiksammlungen ihrer Eltern und Bekannten, nervten Freund*innen und Fremde, um Songs der ersten Einwanderergeneration zu finden. Erstes Zwischenergebnis: Über hundert Lieder Made in Almanya, die von den ersten Jahrzehnten der Einwanderung in Deutschland handeln.
Eine Auswahl dieser Songs findet sich auf „Songs of Gastarbeiter Vol. 1.“, herausgegeben von Trikont.
Auf diesem Album sind Musiker*innen aus der Türkei vertreten, mit Songs bis Anfang der 1990er Jahre.

Pioniere
Für AYKU sind die Musiker*innen Pioniere, die sich und ihren Alltag zum Thema machten, sich nicht nur leidend, sondern auch kämpferisch und ironisch gaben und scharfsinnige Beobachter*innen der deutschen Gesellschaft waren. Pioniere, die neue Musikstile wie anatolischen Disko-Folk kreierten (Derdiyoklar) und sich im Crossover versuchten (z. B. Ali Avaz) oder mit Sprechgesang experimentierten, lange bevor es deutsch-türkische Rapper gab.
Pioniere, weil sie den Sound des Arabesk in Deutschland einführten (Yüksel Erkasap) und elegant wie virtuos mit dem Mix der Sprachen jonglierten (z. B. Aşık Metin Türköz, Aşık Divane, Cem Karaca) und der deutschen Sprache einen eigenen Ton verliehen (z. B. Ozan Ata Canani).

Bizim Veedel

Kurzfilmprojekt
Das Projekt Bizim Veedel des Kölner Vereins NEOLA art projects hat gemeinsam mit einer Gruppe Ehrenfelder*innen mit Türkei-Bezug Kurzfilme über verschiedene Wege der Heimatsuche, Heimatgestaltung und Erinnerung erstellt.

Köln-Ehrenfeld
Der Kölner Stadtteil Ehrenfeld hat sich vom ehemaligen Industriestandort und Arbeiterviertel zum bunten, multikulturellen Szeneviertel gewandelt. Das Viertel ist Heimat vieler Menschen unterschiedlicher Herkunft – ein Ort, der viele Heimaten in sich birgt.

Das Ankommen gestern und heute
Die Türkei ist aktuell von Krisen und Umbrüchen geprägt. Nach der großen Welle der Gastarbeitermigration kommen derzeit wieder sehr viele, insbesondere junge, gut ausgebildete Menschen von dort nach Deutschland, um sich eine Zukunft aufzubauen. In der Projektgruppe von Bizim Veedel fanden sich Menschen, die sich Ehrenfeld verbunden fühlen, und die gleichzeitig einen Bezug zur Türkei haben. Sie sind von dort aus neu hier angekommen, in zweiter, dritter Generation in Deutschland geboren, oder haben einen längeren Aufenthalt in der Türkei hinter sich. Mit der filmischen Spurensuche werden die individuellen Bedeutungen von Heimat erkundet: Was waren und sind die Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Gestaltung einer neuen Heimat in der Ferne, alltäglich, emotional? Was können wir mit unseren unterschiedlichen Erfahrungen voneinander lernen?

Weitere spannende Inspirationen zu Kunst, Aktivismus und Empowerment findet ihr in der ökoRAUSCH Mediathek in folgendem Video: “Thementag »Artivismus & Empowerment – Kunst ist Macht”

Das Thema “Gerecht Gestalten” wurde in der ökoRAUSCH Wissenswelt auf dem ökoRAUSCH Festival für Design und Nachhaltigkeit (28.8.-24.9.2020) im MAKK (Museum für Angewandte Kunst Köln) ausgestellt. Die ökoRAUSCH Wissenswelt steht nun als Wanderausstellung zum Verleih NRW-weit zur Verfügung. Weitere Informationen findet ihr auf stadt-land-welt.org oder schreibt an stadt.land.welt@posteo.de !

Fotos: Bozica Babic und Astrid Piethan

Quellen und Links:
* www.neola-art-projects.com/ehrenfeld-bizimveedel
* www.kulturbunker-heimat.de
* www.muelheimat.cologne
* www.ayku.com
* www.trikont.de/shop/themen/turkische-musik-turkish-sounds/songs-of-gastarbeiter-vol-1

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Unser Co-Veranstalter des Festivals, Stadt Land Welt e.V. ist maßgeblich für die inhaltliche und vor allem methodisch aufbereitete Vermittlung der Themen des Festivals an ein breites Publikum verantwortlich. Die von ihm gestaltete „ökoRAUSCH Wissenswelt“ wird gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

Autor*in

Tatjana Krischik

Tatjana Krischik

Tatjana Krischik bringt als freiberufliche Designerin in ihren Arbeiten Design, Nachhaltigkeit und Bildung zusammen. Im Bereich des Globalen Lernens verbindet sie Design mit Bildungsprojekten, z.B. in der Konzeptionierung und Durchführung der CYC LOOP Upcycling- und Fair Trade Design- Workshops für Jugendliche und Lehrkräfte, die Upcycling und Fair Trade Design mit Globalem Lernen verbinden.

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