Plastic2Beans

Wie denkt man um die Ecke?

Unsere letzte Exkursion in der Reihe ECO DESIGN MEETS BUSINESS haben wir bei Plastic2Beans zelebriert – mit köstlichem äthiopischem Spitzenkaffee und vielen Fragen rund um ihr innovatives Geschäftsmodell…

Hinter dem Namen Plastic2Beans verbergen sich die drei Gründer Kalie (Polymerchemiker), Abiye (Kunststofftechniker, aus Äthiopien) und Thomas (Vertrieb und Marketing). Bei unserem Besuch treffen wir Thomas, Kalie und Malte, der für den Vertrieb zum Team dazugestoßen ist, in ihren Räumen im Start-up Center der Uni Köln und zwar genau am Tag ihres einjährigen Bestehens – welch schöner Zufall! Zuerst wurde jedem und jeder von uns liebevoll ein köstliches Kaffeegetränk zubereitet. Dann ging’s los.:

Das Plastic2Beans-Konzept besteht darin, hochwertige recycelte Kunststoffgranulate und -mahlgüter aus Deutschland nach Äthiopien zu verkaufen und dort wiederum biologischen, fair-gehandelten Hochlandkaffee einzukaufen, um diesen in Deutschland und dem immer kaffeedurstigeren Asien zu vertreiben. Aber warum nicht einfach nur Kaffee einkaufen oder nur Kunststoff verkaufen? Das wäre doch viel einfacher? Wir wollten wissen, warum die drei diese ungewöhnliche Herangehensweise gewählt haben und erfuhren in den nächsten zwei Stunden, dass die drei viel mehr machen, als nur ein Import-Export-Geschäft zu betreiben. Sie verbinden Entwicklungsarbeit und Wissenstransfer mit Klimaschutz und Lifestyle. Das ist neu und gleichzeitig nachhaltig!

Das „P2B“-Geschäftsmodell steht unter dem Dreiklang „Mehr Recycling – mehr Kaffee – mehr Empowerment“. Der Clou: Durch das Plastik-gegen-Kaffee-Tauschgeschäft umgehen die drei geschickt den großen Devisenmangel, der in Äthiopien herrscht. Für ihre Recyclingkunststoffe werden sie in der lokalen Währung Birr bezahlt (die im internationalen Handel keinen Wert hat). Dieses Geld setzen sie dann direkt ein, um besonderen Kaffee im Direct Trade einzukaufen. Dieser wird in Äthiopien – dem Heimatland der Kaffeepflanze – naturnah, biologisch und unter fairen Arbeitsbedingungen angebaut. So können sie das erreichen, was sie eigentlich vorhaben: Plastikgranulate zu verkaufen, um so das Kunststoffrecycling in Äthiopien zu fördern und damit zu bewirken, dass weniger Rohöl für neue Kunststoffe verbraucht wird. In Äthiopien wächst die Kunststoffindustrie nämlich jährlich um 20 %. Davon wird wiederum fast nichts recycelt, und da es keine funktionierende Abfallwirtschaft gibt, landet der Plastikmüll auf den Straßen, in der Natur und im Meer. Plastic2Beans bringen also Know-How sowie die notwendige technische Infrastruktur ins Land und leisten damit Entwicklungsarbeit und Wissenstransfer, der dem Klimaschutz dient. Und die deutschen Kaffeeliebhaber*innen profitieren auch. Damit haben P2B nicht, wie viele andere Start-ups, eine digitale, sondern eine soziale Innovation erschaffen.

Die drei erklärten uns, dass sich das Projekt aktuell in der „Proof of Concept“-Phase befindet. Das heißt, es wird zunächst der Vertrieb des Kaffees aufgebaut, der Verkauf der Granulate läuft erst im Anschluss an, denn dieser ist an einen funktionierenden Kaffeeabsatz gebunden. Dieses Vorhaben ist sehr komplex, sodass vorher eine Reihe politischer, betrieblicher und kommunikativer Herausforderungen gemeistert werden müssen. Aber mit der Bio-Supermarktkette Alnatura, der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Sozialorganisation Aktion Mensch sind schon einige namhafte Partner im Boot. Was noch fehlt, ist ein kreativer Kopf, der sich um die visuelle Kommunikation kümmert. Das Konzept und die Vision müssen so in Info-Grafiken übersetzt werden, dass man sie auf einen Blick versteht. Das war unser Startschuss und wir brainstormten los. Was für eine Kampagne würde Sinn machen? Wie muss der Kaffee vermarktet werden, um die richtige Zielgruppe anzusprechen? Wir spinnen und diskutieren. Am Ende haben wir den drei jungen Gründern (hoffentlich) einige neue Impulse geliefert und selber viel Neues gelernt.

Wir bedanken uns bei unseren Gastgebern und Teilnehmer*innen für dieses wunderbare letzte Matching und sind gespannt zu sehen, wie Plastic2Beans die Handelswelt umkrempelt und (Kaffee-)Früchte trägt!

Ein großes Danke geht auch an unsere Fotografin Bozica Babic!

Autor*in

Kim Huber

Kim ist konzeptionelle Kommunikationsdesignerin. Sie studierte „Nachhaltiges Design“ an der ecosign Akademie für Gestaltung und arbeitete am Wuppertal Institut an der Übersetzung von wissenschaftlichen Inhalten in visuelle Kommunikation.

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